Dienstag, 7. Dezember 2010

Fastentagebuch - 3.Tag

Gestern war schrecklich. Der zweite Tag ist immer der Schlimmste. Der Körper hat die leicht zugänglichen Reserven aufgebraucht, sich aber noch nicht auf den Modus "Verdauung - aus, Fettverbrennung - an" umgestellt. Das bedeutet Hunger, Schwächegefühl, Konzentrationsmangel. Eigentlich sollte man an einem solchen Tag nicht arbeiten. Aber wie das Wort "eigentlich" schon sagt ...
Heute geht es mir viel besser. Ich fühle mich ruhig und klar. Immer noch ein wenig wackelig auf den Beinen, aber hier gemütlich in meinem Sessel sitzend, macht mir das nichts aus. Im Gegenteil. Ich würde mich gern in dieses abdriftende Gefühl hinein fallen lassen.
Es hatte schon seinen Sinn, dass Hexen früher einige Tage fasteten, bevor sie Praktiken ausübten, bei denen man andere Bewusstseinsebenen betritt. Es fällt so viel leichter, in diesen Zustand zu kommen. Wie es nachher aussieht, wenn ich mich auf meine Texte konzentrieren muss, weiß ich noch nicht. Ich versuche aber, mir da keinen Druck zu machen. 
Erstaunlich ist, dass ich bisher noch nicht das Bedürfnis verspürte, mich auf die Waage zu stellen. Sonst war es mir immer so wichtig gewesen, den Gewichtsverlust in messbaren Zahlen vor mir zu sehen. Ich habe ihn sogar protokolliert und daraus meine Motivation gezogen.  Dieses Mal ist es mir völlig gleichgültig. Ich weiß einfach, dass ich ganz zwangsläufig abnehmen werde. Das reicht mir.
Hauptsache, meine Jeans kneift heute Nachmittag beim Einkaufen ein bisschen weniger. 


Und nun ein Themawechsel ...
Liebes Tagebuch, ich muss dir einfach sagen, wie sehr es mich gestern gerührt hat, als mein Liebster mir von der Arbeit aus eine sms schickte, in der er mir freudestrahlend mitteilte, dass er(!) weiß, was wir(!) meinen(!) Kindern zu Weihnachten schenken werden. Und wie er dann gestern Abend im Internet recherchiert und es auch gleich bestellt hat. 
Dieser Mann ist wirklich etwas Besonderes und ich bin so glücklich, ihn an meiner Seite zu wissen. Es sind diese Kleinigkeiten, die mich immer wieder daran erinnern, ihn nicht als selbstverständlich zu nehmen, obwohl er doch immer so selbstverständlich für mich da ist. 
Er sagte einmal, dass ich noch gar nicht wüsste, was es bedeutet, wenn er liebt. In der Tat habe ich lange gebraucht, das in all seiner Tiefe zu begreifen. Und solche Tage wie gestern lassen mich ahnen, dass es auch jetzt noch ein "tiefer" gibt.
Es tut so gut, auf der einen Seite so völlig vertrauen zu können, wie ich es tue - und auf der anderen  trotzdem immer noch überrascht zu werden.

Montag, 6. Dezember 2010

Fastentagebuch - 1.Tag

Das Gute am zu Hause Arbeiten ist: 
Man muss nicht raus, sondern kann gemütlich vor dem Rechner sitzen, ungekämmt und in bequemen Schlumperklamotten.


Das Schlechte am zu Hause Arbeiten ist: 
Man muss nicht raus, sondern kann gemütlich vor dem Rechner sitzen, ungekämmt und in bequemen Schlumperklamotten.


Und man muss sich jeden Tag ganz alleine wieder aufs Neue motivieren.
Wenn das nicht funktioniert, wenn einfach die Lust auf den nächsten Text fehlt, dann bietet der Gang zum Kühlschrank eine willkommene Ablenkung. 


Frühstück, zweites Frühstück, zwischendurch einen Schokoriegel ....
Kein Hobbit kennt mehr Mahlzeiten als ein Texter, der sich mit Essen vor der Arbeit drückt.


Manchmal aber muss ich doch raus - und sei es nur zum Einkaufen, weil alle Vorräte aufgebraucht sind. 


Tja und dann merke ich, was die Schlumperklamotten so schön verbergen: Die Jeans wird eng und enger und wenn ich SO in die Weihnachtszeit gehe, muss ich neue Hosen auf meinen Wunschzettel setzen. Spätestens da meldet sich mein Selbsterhaltungstrieb.


3 Liter Kaffee, um in die Gänge zu kommen? Kein Problem, auch wenn die Hände zittern.


Eine Zigarette nach der anderen, bis selbst die Rauchverzehrerkerzen vor Überlastung ächzen? Was solls, atmen wird gemeinhin völlig überbewertet.


Aber fett werden? Niemals!


Wer einmal knapp vor den 100 Kilo gestanden hat und um die Mühe weiß, das wieder runter zu bekommen, für den ist drohendes Übergewicht eine solche Horrorvorstellung, dass selbst die extremsten Maßnahmen das kleinere Übel darstellen.


Bei mir läuft es dann immer auf eine Fastenkur hinaus.
Besser - so finde ich - kann man langsam eingeschlichene schlechte Essgewohnheiten gar nicht umstellen und sich dabei mit schnellem Erfolg motivieren.


Das wirklich Schöne daran ist aber, dass ich mir dabei Zeit für mich nehme, mir meiner selbst wieder bewusst werde, mich und meinen Körper positiv wahrnehme und meiner Seele Urlaub vom Alltagsstress gönne.
Keine Crash-Diät also, sondern Heilfasten.


Also auf in den ersten Fasten-Tag!



Mittwoch, 1. Dezember 2010

Hexenfeuer

Morgens gegen fünf klingelt unser Wecker. Ein paar Minuten gönnen wir uns noch, unsere schlafwarme Nähe zu genießen, dann aber gilt es, den Tag mutig bei den Hörnern zu packen. Die Pflicht ruft, denn 6.00 Uhr muss mein Liebster auf Arbeit sein. Da gibt es keine Diskussion. Bei ihm.
Mein noch müder Kopf aber fragt mich jeden Morgen, ob ich denn noch bei Troste bin.
Ich bin Nachtmensch, meine kreativsten Zeiten hatte ich immer in den ruhigen, dunklen Stunden um Mitternacht. Klar, dass er da protestiert und trotz Massen an Kaffee immer noch auf sein Recht auf Arbeitsverweigerung pocht.
"Du kannst mir Disziplin aufzwingen," sagt er mir." Nicht aber Kreativität."
Also habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, ihn mit einer morgendlichen Flammenschau zu besänftigen.
Es gibt viele Rituale, bei denen man beim Betrachten einer Kerzenflamme seinen Geist lehrt, die wirren Gedanken zum Schweigen bringt und eine ruhige, friedliche Leere erzeugt, die sich dann gezielt füllen lässt. 
Aber bei Elfens wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Eine Kerze? Lächerlich! Ein richtiges Feuer muss her.
Deshalb haben wir jetzt einen Wandkamin, in dem eine bioethanolgefütterte Flamme brennt. Sie knistert nicht, sie duftet nicht nach harzigem Holz - aber sie ist echt und sie ist groß.
Ich schiebe mir meinen Sessel davor, kuschele mich unter eine warme Decke, in einer Hand meinen dampfenden Kaffee, in der anderen - ebenfalls dampfend - eine Zigarette. 
So schaue ich, wie die Flammenzungen im Rhythmus von Hagalaz Runedance tanzen. Ich stelle mir vor, sie wären Akteuere auf einer Bühne. Sie umschmeicheln sich sehnsüchtig, umarmen sich, verschmelzen. Dann - plötzlich - stoßen sie sich voneinander ab und kämpfen heftig miteinander. Um sich schließlich wieder zu vereinen. Voller Leidenschaft. Und ich denke, dass ich so leben möchte. So lieben.
Irgendwann schließe ich die Augen, lausche nur noch der Musik und mein Kopf ist leer. Ich konzentriere mich auf meinen Körper, erspüre ihn und atme alle Unruhe aus ihm heraus und die Energie des Universums in mich ein. 
Bis ich weiß, dass jetzt auch mein Tag beginnen kann.

Dienstag, 30. November 2010

Happy Birthday 11

Mein Liebster hat heute Geburtstag.
Selbstverständlich habe ich ihm den typisch Schwaßschen Geburtstagskuchen gebacken. In diesem Jahr allerdings in der "Special Edition for Men". Ohne bunte Smarties in dezentem braun-weiß. Hier das obligatorische Kuchenfoto:

Und wen das jetzt an eine Radkappe erinnert ...
Ich könnte ja behaupten, das wäre Absicht gewesen. 
Von wegen "Männerkuchen" und so ...
Aber um bei der Wahrheit zu bleiben: reiner Zufall. *g*

Sonntag, 28. November 2010

Liebes Tagebuch ...

Noch sind wir keine Freunde. 


Ich sehe deine leeren Seiten vor mir und es gibt so viel, das ich mit dir teilen möchte. 
Aber du fühlst dich fremd an.
Wir sollten uns zunächst kennen lernen, was meinst du?


Ich könnte mich jetzt vorstellen: "Also ich bin die Liane." ... und so ...


Du ziehst eine Augenbraue hoch?


Recht hast du. Selbstdarstellungen eignen sich bestens dazu, sich dahinter zu verstecken. Du aber wirst mich bald gut genug kennen, um über diesen Versuch nur milde zu lächeln.


Vor Jahren sagte ein alter Freund zu mir:


"Nimm dir einen Stift und ein leeres Buch! 
Schreibe jeden Tag etwas hinein!
Egal was. 
Achte nicht darauf, ob es sinnvoll ist und sich zu erzählen lohnt!
Ganz im Gegenteil.
Übe dich darin, sinnlose Dinge zu schreiben!
Deine Gedanken fließen viel lockerer und freier, wenn du sie nicht von Anfang an mit deinen hohen Ansprüchen belastest. "


Du ahnst gar nicht, wie schwer mir das gefallen ist. Obwohl ich diese Gedanken mit niemandem teilte. Man selbst ist meist sein härtester Kritiker. 


Aber es hat geholfen. Vor allem dabei, mich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen.


Das entspannt ungemein ...





Samstag, 27. November 2010

einfach mal schreiben

Nur für mich. Aus reinem Spaß an der Freude. Von tief- bis unsinnig. 
Meine Gedanken. Fingerübungen. Sprachliche Experimente.