Gestern war schrecklich. Der zweite Tag ist immer der Schlimmste. Der Körper hat die leicht zugänglichen Reserven aufgebraucht, sich aber noch nicht auf den Modus "Verdauung - aus, Fettverbrennung - an" umgestellt. Das bedeutet Hunger, Schwächegefühl, Konzentrationsmangel. Eigentlich sollte man an einem solchen Tag nicht arbeiten. Aber wie das Wort "eigentlich" schon sagt ...
Heute geht es mir viel besser. Ich fühle mich ruhig und klar. Immer noch ein wenig wackelig auf den Beinen, aber hier gemütlich in meinem Sessel sitzend, macht mir das nichts aus. Im Gegenteil. Ich würde mich gern in dieses abdriftende Gefühl hinein fallen lassen.
Es hatte schon seinen Sinn, dass Hexen früher einige Tage fasteten, bevor sie Praktiken ausübten, bei denen man andere Bewusstseinsebenen betritt. Es fällt so viel leichter, in diesen Zustand zu kommen. Wie es nachher aussieht, wenn ich mich auf meine Texte konzentrieren muss, weiß ich noch nicht. Ich versuche aber, mir da keinen Druck zu machen.
Erstaunlich ist, dass ich bisher noch nicht das Bedürfnis verspürte, mich auf die Waage zu stellen. Sonst war es mir immer so wichtig gewesen, den Gewichtsverlust in messbaren Zahlen vor mir zu sehen. Ich habe ihn sogar protokolliert und daraus meine Motivation gezogen. Dieses Mal ist es mir völlig gleichgültig. Ich weiß einfach, dass ich ganz zwangsläufig abnehmen werde. Das reicht mir.
Hauptsache, meine Jeans kneift heute Nachmittag beim Einkaufen ein bisschen weniger.
Und nun ein Themawechsel ...
Liebes Tagebuch, ich muss dir einfach sagen, wie sehr es mich gestern gerührt hat, als mein Liebster mir von der Arbeit aus eine sms schickte, in der er mir freudestrahlend mitteilte, dass er(!) weiß, was wir(!) meinen(!) Kindern zu Weihnachten schenken werden. Und wie er dann gestern Abend im Internet recherchiert und es auch gleich bestellt hat.
Dieser Mann ist wirklich etwas Besonderes und ich bin so glücklich, ihn an meiner Seite zu wissen. Es sind diese Kleinigkeiten, die mich immer wieder daran erinnern, ihn nicht als selbstverständlich zu nehmen, obwohl er doch immer so selbstverständlich für mich da ist.
Er sagte einmal, dass ich noch gar nicht wüsste, was es bedeutet, wenn er liebt. In der Tat habe ich lange gebraucht, das in all seiner Tiefe zu begreifen. Und solche Tage wie gestern lassen mich ahnen, dass es auch jetzt noch ein "tiefer" gibt.
Es tut so gut, auf der einen Seite so völlig vertrauen zu können, wie ich es tue - und auf der anderen trotzdem immer noch überrascht zu werden.
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